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Machen künstliche Süßstoffe vergesslich?

Eine zuckerreiche Ernährung von Kindern wird mit einer Beeinträchtigung der Gehirnfunktion in Verbindung gebracht, aber was ist mit kalorienarmen Zuckeraustauschstoffen? Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge könnten sie negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Darm und Gehirn haben.

Anhand von Labormodellen haben Wissenschaftler der Universität von Südkalifornien herausgefunden, dass die Aufnahme von Saccharin, Acesulfam-K und Stevia in den von der FDA zugelassenen Mengen in jungem Alter zu zahlreichen körperlichen Veränderungen führen kann. Darunter auch in Gehirnbereichen, die mit der Gedächtnisleistung und belohnungsgesteuertem Verhalten in Verbindung gebracht werden.

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Der Verzehr der Süßstoffe wirkte sich auch auf verschiedene Stoffwechselsignale in einer Weise aus, die langfristig möglicherweise zu Diabetes oder anderen Stoffwechselstörungen führen könnten, oder zumindest damit assoziiert werden.

artificial sweetener container on hand on white background

Schlechteres Gedächtnis und Stoffwechselstörungen wurden in mehreren Studien festgestellt

Die Forscher der University of Southern California berichten in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass Jugendliche, die die kalorienarmen Süßstoffe Saccharin, ACE-K und Stevia konsumierten, Beeinträchtigungen des Langzeitgedächtnisses zeigten.

  • Die Ergebnisse stimmen mit anderen Studien überein, die bei jugendlichen Ratten, die Zucker (statt Süßstoff) konsumieren, anhaltende Gedächtnisstörungen nachgewiesen haben.
  • Kalorienarmer Süßstoffe beeinflusste auch die Stoffwechselsignale im Körper, die zu Diabetes und anderen stoffwechselbedingten Krankheiten führen können.
  • Versuchstiere, die früh mit Süßstoffen gefüttert wurde, hatten als Ausgewachsene weniger Antrieb nach Zucker zu suchen oder dafür zu „arbeiten“; wenn Zucker aber ohne Aufwand zur Verfügung stand, aßen sie mehr davon als die Vergleichsgruppen. Dieses verändere Verhalten kann langfristig ein zusätzlicher Faktor sein, der Stoffwechselerkrankungen begünstigt

Bedeutung der Studienergebnisse

„Unsere Ergebnisse deuten zwar nicht unbedingt darauf hin, dass man generell gar keine kalorienarmen Süßstoffe konsumieren sollte, aber sie machen deutlich, dass der gewohnheitsmäßige Konsum dieser Süßstoffe in den ersten Lebensjahren unbeabsichtigte, lang anhaltende Auswirkungen haben kann“

Scott Kanoski, außerordentlicher Professor für Biowissenschaften an der USC Dornsife

Derartige Studienergebnisse sind normalerweise Grundlage für weitere Forschung und nicht maßgebend für die Alltagsernährung. Trotzdem müssen sie natürlich ernstgenommen werden und der generelle Ratschlag weniger künstliche Süßstoffe zu konsumieren kann auch schwerlich als Basis für eine Kontroverse gelten.

Implikationen für die menschliche Gesundheit

Während sich die meisten Studien zu kalorienarmen Süßungsmitteln auf eine einzige Substanz konzentrieren und Mengen verwenden, die weit über der Norm liegen, haben die Forscher sichergestellt, dass die Studie möglichst realen Bedingungen für Menschen entspricht.

  • Zu den getesteten Süßungsmitteln gehören Saccharin, Acesulfam-Kalium (ACE-K) und Stevia, die üblicherweise in gesüßten Lebensmitteln verwendet werden.
  • Die Menge des konsumierten Süßstoffs lag innerhalb der von der FDA genehmigten Richtlinien für Menschen.

„In der Forschung mit Nagetiermodellen und kalorienarmen Süßungsmitteln wurden in der Regel Verzehrsmengen verwendet, die weit über den von der FDA festgelegten ADI-Werten (Acceptable Daily Intake) lagen, und es wurde nur ein einziges Süßungsmittel verwendet. Um unsere Forschung so zu gestalten, dass sie besser auf den Menschen übertragbar ist, haben wir die Verzehrsmengen innerhalb des ADI-Wertes gehalten und mehrere kalorienarme Süßstoffe verwendet, um festzustellen, ob die Auswirkungen spezifisch für einen bestimmten Süßstoff oder allgemein für alle Süßstoffe sind.“

Lindsey Schier, Assistenzprofessorin für biologische Wissenschaften an der USC Dornsife

Einfacher gesagt: die Forscher vertreten die Meinung, dass die Forschungsergebnisse aufgrund der Gestaltung des Experiments durchaus aus Menschen anwendbar sind, obwohl es sich um eine Studie an Tieren handelt.

Suessstoffpaeckchen in einem Glas
Machen Süßstoffe vergesslich?

Praktische Experimente, um die Gedächtnisleistung abzuschätzen

Um die Auswirkungen des Verzehrs kalorienreduzierter Süßstoffe auf das Gedächtnis zu bestimmen, verwendeten die Forscher Methoden, die die Objekterkennung und die räumliche Wahrnehmung testen.

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Die Ratten erhielten Wasser, das entweder mit Stevia, ACE-K oder Saccharin gesüßt war, oder pures Wasser zusammen mit ihrem normalen Futter.

Nach einem Monat wurde das Gedächtnis der Ratten mit zwei verschiedenen Methoden getestet – bei der einen wurde geprüft, ob sie sich an ein Objekt erinnern, das sie bereits gesehen hatten, bei der anderen Methode mussten sie ein Labyrinth durchlaufen.

Am Ende erinnerten sich die Ratten, die mit Süßstoff konsumiert gefüttert wurden, im Schnitt schlechter an ein Objekt oder den Weg durch das Labyrinth als diejenigen, die nur reines Wasser bekommen hatten.

Zusätzliche Studienergebnisse: Stoffwechsel und Glukoseaufnahme

Die Wissenschaftler fanden bei den Ratten nach dem Verzehr von Süßstoff auch andere Auswirkungen.

  • Sie hatten weniger Rezeptoren auf ihrer Zunge, die den süßen Geschmack erkennen; das könnte die Toleranz gegenüber Süßem steigern und den Konsum erhöhen.
  • Der Mechanismus im Darm der Ratten, mit dem Glukose ins Blut aufgenommen wird, war verändert: es wird mehr Glukose aus anderer Nahrung aufgenommen als bei den Kontrollgruppen, was den Blutzucker und die Kalorienaufnahme zusätzlich steigert.
  • Auch Gehirnbereiche die in Verbindung mit belohnungsgesteuertem Verhalten assoziiert werden, waren verändert; die praktischen Auswirkungen können vielfältig sein, beispielsweise Konzentrationsschwierigkeiten, geringere Motivation oder Fokusverlust.

Wie geht es nach der Studie weiter?

Nach Ansicht der Forscher Kanoski und Schier werfen die Ergebnisse weitere Fragen auf, die es zu untersuchen gilt, darunter:

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  • Wie genau bewirken Süßstoffersatzstoffe eine Verringerung der Rezeptoren für süßen Geschmack und wie wirkt sich dies auf das spätere Ernährungsverhalten aus?
  • Was bedeutet die Veränderung des Nährstofftransports im Darm für die Gesundheit?
  • Welche biologischen Mechanismen werden durch den Süßstoffkonsum ausgelöst, die die Veränderungen im Gehirn auslösen?

Die Forscher beabsichtigen, Möglichkeiten zu erforschen, um die langfristigen Auswirkungen des Konsums von kalorienarmen Süßstoffen in der Jugend umzukehren und zu untersuchen, wie er die Auswahl von Lebensmitteln und die Vorlieben im späteren Leben beeinflusst.

Das salala.de Fazit

Natürlich darf man nicht wegen jeder Ernährungsstudie gleich die Pferde scheu machen und die formulierten Ergebnisse der Forscher als eindeutige Wahrheit ansehen und als künftige Richtlinie verwenden.

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Einfach ignorieren sollten wir derartige Ergebnisse aber auch nicht, vor allem da speziell solche Süßstoffe ja schon seit Jahrzehnten mal mehr und mal weniger im Verdacht stehen, auch negative Auswirkungen zu haben.

Gegen moderaten Konsum scheint vorerst nichts zu sprechen, aber insbesondere für Kinder und Jugendliche ist eigenverantwortliche Moderation oft schwer – war jedenfalls bei uns so. Hier sind wohl die Eltern gefragt, die Balance zwischen absolutem Verbot und hemmungslosem Konsum zu finden, wir denken da vor allem an Zero-Getränke, die ja in manchen Haushalten durchaus Standardgetränke sind.

Bezeichnend war für uns auch der Hinweis, dass künstliche Süßstoffe wie Acesulfam-K zwar keine direkte Auswirkung auf Blutzucker oder Insulinspiegel haben, im Nachgang die Aufnahme von echtem Zucker steigern und die unreglementierte Essensmenge erhöhen können.

Für die Praxis heißt das Süßstoff regt den Appetit an und erhöht die Zuckeraufnahme stärker als normaler Zucker. Gleicht das dann die „eingesparten“ Kalorien und den vermiedenen Zucker aus der Zero Limonade nicht wieder aus? Um das genau beurteilen zu können, ist weiter Forschung nötig.

Und vielleicht ist an der Sache mit dem Süßstoff in der Schweinemast ja doch was dran, auch wenn die Industrie sagt, dass es ja nur beim Abstillen helfen soll ;)

Was ist mit Erythrit, Xylit und anderen Alternativen?

Außer den drei genannten Süßstoffen im Vergleich zu Zucker, Fruktose und Glukose (und „nichts“) wurde in dieser Studie nicht weiter geforscht. Ich habe nach ähnlichen Untersuchungen in Bezug auf Zuckeralkohole gesucht, bin aber erfolglos geblieben. Vermutlich machen unsere Zuckeralternativen einfach noch keinen ausreichenden Marktanteil aus, um teure Studien zu rechtfertigen – kommt vielleicht noch in der Zukunft.

Allgemeine Studien zu Zuckeralkoholen waren bislang zumindest auf positive Weise unauffällig, so dass wir nach wie vor keinen Anlass zur Sorge haben.

Quellenangaben

Tsan, Linda, et al. “Early-Life Low-Calorie Sweetener Consumption Disrupts Glucose Regulation, Sugar-Motivated Behavior, and Memory Function in Rats.” JCI Insight, vol. 7, no. 20, Oct. 2022, p. e157714, https://doi.org/10.1172/jci.insight.157714.

Über Nico

Avatar-FotoNico ist Ernährungsberater, zertifizierter Fastenleiter und -Experte. Er ernährt sich selbst seit 2014 Low Carb mit ketogenen Phasen. Bisher hat er damit über 40 kg abgenommen und hilft anderen, ihre Gesundheit durch Ernährungs- und Lebensstiländerungen zu verbessern.

Weiterbildungen: Ernährungs- und Gesundheitsberater (Isolde Richter), Fastenleiter (Isolde Richter)

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