Wir läuten die Eis-Saison wieder ein. Wird Zeit, weil es ist ja schon wieder Juni. Aber heut gibts nicht Schoki, irgendwelche Vanille-Variationen oder die populären Fruchtsorten. Wir haben uns Rhabarber vorgenommen. Und es ist gut geworden.
Ich selber hab eigentlich nix damit zu tun gehabt, Vroni hat das total alleine gemacht und mir dann das Ergebnis präsentiert… fast ein bisschen frech. Trotzdem lecker.
Das ist doch Gemüse-Eis!
Ja richtig, Rhabarber ist Gemüse. Ist ziemlich einfach rauszufinden: Obst bzw. Früchte wachsen aus einer Blüte und beim Rhabarber essen wir schließlich die Stangen, also den Pflanzenkörper.
Der fruchtig-saure Geschmack, der aus den großen Mengen Apfel-, Zitronen- und Oxalsäure entsteht, gibt den (optimalerweise) roten Stangen aber trotzdem einen Obstcharakter. Interessanterweise muss ein Lebensmittel ja dafür nicht süß sein – sauer reicht völlig.
Die kulinarische Einordnung ist natürlich eine andere, wie bei vielen Gewächsen. Tomaten sind Früchte, haben aber im Obstsalat nix verloren. Mandeln sind keine Nüsse und landen wie Erdnüsse, die auch keine Nüsse, sondern Hülsenfrüchte sind, in jeder Nussmischung.
Mein Lieblingsgag war übrigens die Aktion einer Firma, die ein kleines Eimerchen mit dem Namen “Edelnussmischung” über den rot-geleben Netto vertreibt.
In der Edelnussmischung sind Mandeln, Erdnüsse und Cashewkerne. Also die Samen einer Steinfrucht, eine Sorte Hülsenfrüchte und die Fruchtkerne des Cashew-Baumes (oft als die Kerne der Cashew-Apfels bezeichnet, was auch nur ungefähr richtig ist). Es sind halt nur keine Nüsse in der Nussmischung. Also, so gar keine. Stört aber keinen, weil alle 3 “Dinger” für uns die kulinarische Funktion von Nüssen erfüllen.
Aber ich schweife gerade komplett ab.
Nochmal: Rhabarber ist botanisch ein Gemüse, kulinarisch geht er aber als Obst durch und wird meist auch so verwendet. Und deswegen machen wir Eis damit und es ist auch nicht so, als würde wir Karotteneis machen :P
Gesund trotz Oxalsäure?
Wer sich über Rhabarber einliest, bekommt es relativ schnell mit dem Schreckgespenst Oxalsäure zu tun.
Rhabarber enthält extrem viel Oxalsäure, das führt dann zu Nierensteinen und macht die Zähne kaputt. Und natürlich ist das im Prinzip nicht falsch. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass wir uns einige Stoffe antun, die die Pflanzen eigentlich entwickelt haben um Fressfeinde abzuwehren. Stoffe, die uns dann auch gar nicht wirklich gut tun.
Pflanzen wollen nämlich im Großen und Ganzen nämlich nicht gegessen werden (wenn man vielleicht von den Früchten absieht, wenn es welche gibt), aber sie sind halt nicht gut im zurückbeißen oder weglaufen. Daher gibt es nur die möglichkeit chemischer Kriegsführung – beispielsweise durch Lektine, Glutenin, Solanin, Phytoöstrogene und eben auch Säuren wie Oxalsäure. Und natürlich noch vieles mehr.
Zum Glück sind wir selber auch wieder recht gut mit Gegenmaßnahmen ausgestattet und können total viel aushalten, solange wir keine Unverträglichkeiten haben oder es übertreiben. Jahrelange, tägliche Exposition kann schon blöde Dinge anstellen.
Bei Oxalsäure ist das nicht unbedingt der Fall, weil wir halt nicht jeden Tag Rhabarber, Spinat oder Mangold essen. Vor allem auch nicht in problematischen Mengen, die dann auch wirklich was tun – kiloweise nämlich.
Wo liegt eigentlich das Problem mit der Oxalsäure?
Das ist glücklicherweise relativ einfach erklärt. Die Oxalsäure im Rhabarber kann eigentlich nur zwei Sachen besonders gut (außer sauer schmecken).
Sie reagiert mit Mineralien und kristallisiert mit ihnen. Kalzium ist da ein ein beliebter Kandidat. Die entstehenden Kristalle können dann zu Nierensteinen werden oder Nierenschäden verursachen, indem sie die Nierenkanälchen verstopfen.
Außerdem behindert sie auch die Absorption von Eisen. Für gesund Menschen nicht schlimm, aber wer damit gesundheitliche Probleme hat und vielleicht an Eisenmangel leidet, der sollte halt vorsichtig sein.
Schlecht für die Zähne ist die Oxalsäure, weil sie auch dort Kristalle mit dem Kalzium in Zahnschmelz bildet. Pur verzehrt macht das die Zähne rau und stumpf, das spürt man ziemlich schnell. Es vergeht auch wieder, aber du solltest zumindest 45 Minuten warten, bevor du Zähne putzen gehst, damit du nicht unnötig viel Zahnschmelz abträgst.
Oxalsäure im Rhabarber-Eis lässt sich aber auch gut neutralisieren
Das Leben kann so einfach sein. Wenn die Säure sich mit Kalzium gut verträgt und kristallisiert, dann geben wir ihr doch Kalzium.
Ein Milchprodukt, also Sahne, Frischkäse, Schmand oder sowas untermischen und gut ist. Keine Probleme mehr und happy rhabarbering.
Genau so gut funktioniert IM PRINZIP auch herauskochen. Oxalsäure fließt relativ schnell ins Kochwasser ab, das du dann weggießen kannst. Aber das ist natürlich wieder bescheuert, weil mit der Oxalsäure gehen halt auch total viele Vitamine und andere Mikronährstoffe flöten. Und das wollen wir ja auch nicht.
Wenn DU gesund bist, ist auch Rhabarber gesund!
Mit der Zwischenüberschrift hab ich mir gerade das ausformulieren gespart… oder gestohlen. Doof. Egal.
Stimmt schon: wenn du KEINE Probleme mit Eisenmangel oder Anfälligkeit für Nierenprobleme hast, dann kannst du im Prinzip unbegrenzte Mengen Rhabarber essen.
Das lassen nämlich auch die Nährwerte zu. Ungefähr 14-18 kcal auf 100 g darf man getrost als “nix” bezeichnen. Soll heißen, rein energietechnisch hab ich ein tägliches Limit von ungefähr 17 Kilo Rhabarber. Und DANN hab ich vermutlich tatsächlich eine tödliche Dosis Oxalsäure vertilgt und es nicht anders verdient. Darum lass ich das blieben.
Die restlichen Werte sind wenig spektakulär. 0,6 g Protein und 1,2 g KH bei 3,2 g Ballaststoffen sind ja schon nicht viel, aber 0,1 g Fett setzen dem dann die Krone auf. Langweilig, aber dafür muss man auch nicht wirklich was mitrechnen.
Die Mikronährstoffe sind interessanter – Rhabarber hat Vitamine wie die gleiche Menge Apfel, dafür aber noch ein paar zusätzliche Mineralstoffe wie Magnesium und auch mehr Antioxidantien. Und dabei 90% weniger Zucker als der Apfel. Gut für uns :)
Leider nur kurz Saison
Wie den Spargel gibt es Rhabarber leider nicht so richtig lange im Jahr. Die Saison startet Anfang April und endet zusammen mit der Spargelsaison am Johannitag, dem 24. Juni. Warum das so ist, kann ich dir – wie beim Spargel – nicht sagen.
Und eigentlich find ich das auch ziemlich bescheuert. Wie kann etwas, was bei uns nicht heimisch ist, eine Saison haben, die spezifisch an einem bestimmten Tag endet?
Rhabarber ist nämlich ein Einwanderer aus Fernost und kommt eigentlich aus dem Himalaya. Man könnte sagen, dass er Chinese ist.
Finde ich gut, ich bin nämlich ein Fan von asiatischem Essen und die Leute sind im Regelfall auch total nett.
Was ich eigentlich sagen wollte ist: nutze die Saison, solange sie noch lauft! Das dauert sonst wieder bis April!
Und mit dieser Erkenntnis möchte ich das Rhabarber-Eis zum pseudo-asiatischen Gericht und den Beitrag für beendet erklären – im Gegensatz zur Saison.
Liebe Grüße
Nico
Rhabarber-Eis ohne Zucker
Kochutensilien
Zutaten
Kompott
Eismasse
- 150 g Affiliate Link / Provisions LinkFrischkäse
- 75 g saure Sahne
- 200 ml Affiliate Link / Provisions LinkMandelmilch
- 15 g Affiliate Link / Provisions LinkErythrit
- 10 g Affiliate Link / Provisions LinkXylit
- 1 Prise Salz
- 1-2 EL Affiliate Link / Provisions LinkZitronensaft
- 0,5-1 TL Affiliate Link / Provisions LinkXanthan (optional)
Anleitungen
Kompott
- Rhabarber waschen und holzige Enden entfernen. In etwa 1-2 cm breite Stück schneiden und zusammen mit der Süße und dem Wasser in einen Topf geben und etwa 15-20 Minuten köcheln lassen.
- Wenn der Rhabarber weich ist und die Flüssigkeit nahezu verdampft, dann beiseite stellen und auskühlen lassen. Im Anschluss in den Kühlschrank geben.
Eismasse
- Frischkäse, saure Sahne, Mandelmilch und Süße zu einer cremigen Masse aufschlagen.
- Die Masse jetzt in die Eismaschine geben und zu einem Eis gefrieren lassen.
- Wenn die Masse in der Eismaschine fertig ist, das Rhabarberkompott und Eis in Schichten in einem passenden Container geben und weiter kühlen lassen, bis das Kompott auch durchgefrohren ist.
- Wer keine Eismaschine hat, der kann die Masse auch im Gefrierschrank gefrieren lassen, anschließend aufschichten und weiter frieren.
Video
Das Video wird von YouTube eingebettet abgespielt. Es gilt die Datenschutzerklärung von Google.
Hinweis zu den Nährwerten
Die angezeigten Nährwertangaben sind nur eine Schätzung und können je nach den tatsächlich verwendeten Zutaten und Marken sowie den genauen Mengen variieren.
Klasse…
Hallo! Danke für das Rezept! Nächste Woche kommt meine erste Eismaschine, wird sofort getestet.
Habe allerdings Fragen. Ich nutze kein Xilyt, nur Erythrit mit Stevia. Wird es auch gehen?
Und 2 Frage: muss man beim Eis Zuckerersatz immer pulverisieren? Danke! LG Marta
Guten Morgen, nun muss ich doch mal einen Kommentar oder besser ein Kompliment da lassen: dieses Rhabarber-Eis ist unglaublich lecker (ich musste ein wenig Mascarpone hinzufügen, weil der Frischkäse nicht reichte und es war Hafer-und nicht Mandelmich, aber egal). Die anderen Eissorten werden umgehend probiert !!! Eigentlich sollte es MEIN low-Carb Eis werden, aber nach dem ersten Probierlöffel waren Mann und Sohn mit dabei.
Sehr köstlich, vielen Dank fürs Probieren, Testen und TEILEN der tollen Rezepte !
Viele Grüße Nikola
Is schon immer fies, wenn das geschmähte, gesunde Essen plötzlich lecker ist und dann von den Leuten verzehrt wird, die bisher nur müde gelächelt haben!
Wir waren auch total begeistert, das Zeug war dermaßen lecker, dass es bei uns auch nicht lange gehalten hat :D
liebe Grüße
Nico